Nein, wenden Sie
Ihren Blick nicht ab von diesen Augen. Kalt und tot,
sieht man in ihnen allen Abscheu und alles Leid
derer, deren einziges Vergehen es war geboren zu
werden. Einzig, damit der Tod dieses Hundes nicht
umsonst gewesen sein und das Ersterben seines
Schreies, das Zerreissen seiner Haut und das Ende
seines Kampfes dazu dienen möge, dass andere nicht
dasselbe Schicksal erleiden müssen.
Er war jung und
stark, aber etwas dürfte nicht gut gelaufen sein für
ihn. Vielleicht lief er nicht so schnell wie er
sollte, vielleicht ist ihm eine Beute entwischt,
vielleicht verlor sein Besitzer aber auch nur eine
Wette und seine Strafe damit war der furchtbarste
aller Tode, der langsamste, der grausamste. Wie
lange musste er kämpfen sich aufrecht zu halten,
damit seine Beine weiterhin das Gewicht seines Körpers
tragen konnten? Warum weiterleben? Um sich am Ende
doch einfach fallen zu lassen. Und am Ende seines
Lebens mit diesem Tod der Befreiung näher zu
kommen, der Ruhe.
Seit seiner Geburt
musste er beweisen, dass er stark war, nützlich.
Neben seiner Mutter laufend und seinen Brüdern.
Suchend, die Beute schlagend ohne sie zu verzehren.
Seine Belohnung war, in den Zwinger zurück zu
kehren, wo er seine tägliche Ration Fett und
trockenes Brot erhielt, wo er mit Flöhen und Zecken
zusammen leben musste, wo der Geruch nach Urin und
Exkrementen erstickend war oft, wo er in der eisigen
Kälte des Winters und der erstickenden Hitze des
Sommers auf seinen Herrn wartete, um erneut auf's
Feld hinaus zu ziehen, zu laufen, zu beweisen, dass
er nützlich war, dass er der Beste war. So auch
diesen Tag und jeden anderen Tag.Manchmal band ihn
sein Herr zum Laufen ans Motorrad und auch wenn ihn
der Abgasrauch zu ersticken drohte, täuschte er
vor, dass ihm dies nichts bedeute, dass er wirklich
wollte, dass er der Beste war.
Er sah, wie einer
seiner Brüder auf dem Asphalt ausgestreckt liegen
blieb, blutendenden Körpers, weil er den ihm
aufgezwungenen Rhythmus nicht mehr mithalten konnte.
Er aber musste weiter kämpfen, er hatte das Herz
eines Siegers.
Seine
Mutter war eine wahre Heldin gewesen und, obwohl sie
bereits über zehn Jahre alt war, gebar sie alle
sechs Monate hinreissende Welpen, die wiederum an
andere Galgueros (Jäger) verkauft wurden.
Zumindest er hatte
das Glück gehabt bei ihr bleiben zu können. Nachts
hatte er die Wärme ihres Körpers genossen und sich
erinnert, wie seine Mutter ihm als Welpen die
Schnauze geleckt und ihn zärtlich gebissen hatte,
um das Ungeziefer zu töten, das seinen Körper
befiel und bei der Rückkehr von der Jagd ihm seine
Wunden leckte. Für seinen Herrn wäre es einfach überflüssig
gewesen den Tierarzt zu holen. Wozu auch? Es war
doch so einfach und billig einen neuen Galgo zu
bekommen.
Aber heute, mit
kaum zwei Jahren, ging etwas daneben. Was war es? Wo
hatte er sich geirrt? In nichts, nur, mit knapp zwei
Jahren war ein Galgo zu nichts mehr nütze. Andere,
ältere Hunde sind bessere Zuchttiere und andere, jüngere
Hunde sind bereit die Herauforderung und den Kampf
aufzunehmen der Beste zu sein.
Und
so, heute wie andere Tage auch, verließen sie den
Zwinger auf's Feld hinaus, aber heute, als sie an
einem alten verlassenen Gebäude vorbeikamen,
abseits aller Blicke, warf ihm sein Herr einen
Strick um den Hals und band ihn an den Galgen. Seine
Hinterbeine berührten eben noch trippelnd den Boden
und es kostete ihn große Kraft, sich auf den Beinen
zu halten.
Aber all seine
Anstrengungen nützten ihm nichts, nichts sein
Geheul, seine Schreie, sein Strampeln und Keuchen.
Es tat nichts zur Sache, sein Herr setzte sich
zusammen mit seinen anderen Jagdhunden daneben, um
zuzusehen wie er zwischen Leben und Tod hing, wie er
kämpfte in einem Kampf, den er in jedem Fall
verlieren würde.
Und - was er
wiederum nicht wusste - er würde sein Leiden damit
nur verlängern. Er sollteden anderen Galgos als
Beispiel, damit diese die Strafe für das Versagen sähen,
die Strafe für den Fehler.
Die Strafe dafür, als Galgo geboren zu sein.
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Am
17. Mai - und einmal mehr durch Zufall - fand man im
Ort Pedro Muñoz [Ciudad Real/Spanien] in einem
verlassenen Gebäude einen auf „Klavier spielen“
genannte Art erhängten Galgo, zusammen mit den
Resten anderer, mit Sicherheit nach Ende der
vergangenen Jagdsaison ebenfalls erhängten, Galgos.
Bei dieser Art der
Tötung wird der Hund so stranguliert, dass er mit
seinen Hinterbeinen eben noch den Boden berührt.
Der Hund erwürgt sich selbst in dem Maße in dem
seine Kräfte nachlassen. Der Todeskampf zieht sich
so über Stunden, manchmal sogar Tage.
Seit Jahren
verurteilen spanische und internationale
Tierschutzorganisationen das konstante Abschlachten
von Galgos durch ihre Besitzer, weil diese in jeder
Saison „Neue“ (so nennt man in Spanien die
jungen Galgos) besitzen möchten. Alles was man
bislang erreichen konnte, war die Unterstützung
ausländischer Organisationen, die wiederum in
anderen Ländern Familien für diese armen Tiere
suchen. Aber immer wieder findet man Jahr für Jahr
erhängte Galgos, ertränkt in Brunnen, mit
gebrochenem Rücken auf den Feldern ausgesetzt,
damit diese sich nicht mehr bewegen können.Andere
wiederum werden einfach „nur“ ausgesetzt und
finden dann ihr Ende auf der Landstraße überfahren
zu werden, zu verhungern, zu verdursten, bedeckt mit
Zecken, die ihnen, im wahrsten Sinne des Wortes, das
Blut aussaugen.
Aber trotz all
dieser Vorkommnissen trifft die spanische Verwaltung
keinerlei Maßnahmen, ausser mehr „Tierheime“
zuzulassen und mehr „Firmen“, die sich damit
beschäftigen, die nach der Jagd ausgesetzten Galgos
einzufangen, mit dem Ziel, dass diese auf
„legale“ Art und Weise „getötet“ werden können
und trotzdem es sich um Jungtiere von maximal 2-3
Jahren handelt.
Seit drei Jahren
sammelt die Organisation „LAS NIEVES“ diese
Jagdhunde direkt bei den Galgueros ein, verbunden
mit einer gleichzeitigen Kampagne zur
Bewusstseinsbildung bei den Jägern, mit der
erreicht werden soll, diese davon zu überzeugen,
dass die einzige Lösung dieses intensive Gemetzel
unter den Hunden zu verhindern, die kontrollierte
Zucht sein kann. Aus dem einfachen Grund heraus,
weil es nie genug Familien geben kann, um diese
Abertausende von Hunden – man geht von mehr als
30.000 Galgos aus, die jedes Jahr in Spanien getötet
werden – zu adoptieren.
Die verpflichtende
Implantation des Mikrochip (bis heute gibt es noch
weite Teile wo dies nicht verpflichtend war) erweist
sich als völlig ungenügend, da es nicht ungewöhnlich
ist, Galgos mit schweren Halsverletzungen zu finden,
die von den Jägern als durch die Jagd verursacht
bezeichnet werden, von denen wir aber mit Sicherheit
wissen, dass sie den Hunden zugefüg wurden, um den
Mikrochip zu entfernen. Natürlich sind wir grundsätzlich
gegen diese Form der Jagd, wir wissen aber auch dass
es starke wirtschaftliche Interessen gibt, die die
Abschaffung derselben verhindern.
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